
Gestern hieß es um 04:00 Uhr aufstehen, um um 05:00 Uhr das Haus Richtung Karlsruhe zu verlassen. Es ging mal wieder zu einem Auswärtsspiel von Hertha BSC, 6,5 Stunden per Zug lagen vor mir. In Karlsruhe sollte das letzte Spiel der Saison stattfinden und Hertha hatte die riesen Chance mit einem Sieg in die Championsleague einzuziehen und somit in der nächsten Saison ca. 20 Mio € mehr auf dem klammen Konto zu haben. Die Ausgangslage beim Tabellenletzten war dafür zumindest auf dem Papier bestens geeignet. Doch der Reihenfolge nach. Von Berlin ging es mit einem ICE voller Herthafans und dutzender Polizisten (welche die komplette Zugfahrt in dicken Klamotten und Helm vorm Bauch gestanden!!! haben) über Frankfurt am Main, mit seinen beeindruckenden Hochhäusern des Finanzdistrikts, nach Karlsruhe. Dort angekommen schallte es aus allen Ecken "Hertha und der KSC" denn diese beiden Vereine verbindet seit den 70iger Jahren eine dicke Fanfreundschaft. Dramatisch war allerdings, dass Hertha dieses Spiel unbedingt gewinnen musste aber Karlsruhe ebenfalls. Die Karlsruher mussten dazu noch hoffen, dass Cottbus und Bielefeld nicht gewinnen, damit sie den Klassenerhalt schaffen könnten. Vom Bahnhof ging es zusammen mit vielen KSC-Fans mit der Straßenbahn in Richtung Innenstadt. Von dort war es noch ein kleiner Fußmarsch bis zum Kalrsruher Wildparkstadion. Die Innenstadt von Karlsruhe ist sehr schön und ich denke dies wäre auch eine Region wo man einmal Urlaub machen könnte. Frankreich und der Schwarzwald sind ja auch nur wenige Kilometer entfernt. Das Wildparkstadion ist noch ein ganz altes Stadion und in den Fankurven nicht überdacht. Dies hatte zur Folge, dass man 2 Stunden vor dem Anpfiff und während des Spiels bei ca. 28 Grad und blauem Himmel in der prallen Sonne verharren musste, was sich in einem schönen Sonnenbrand auf den Armen und im Gesicht wiederspiegelte. Zum Spiel ansich gibt es nicht viel zu sagen. Dem KSC sah man an, dass sie unbedingt gewinnen wollten, um den letzten Strohhalm zum Klassenerhalt, das Erreichen eines Relegationsplatzes, zu nutzen. Die Herthaner trabten im Gegensatz dazu über den Platz als wenn es ein gemütlicher Sommerkick wäre wo es um nichts mehr ging. So kam es wie es kommen musste, Hertha verlor mit 4:0. Da fährt man 700 km quer durch Deutschland, um sein Team dabei zu unterstützen in die millionenschwere Championsleague einzuziehen und auf dem Rasen traben sie rum als wenn es ein Trainingsspielchen ist.
Das hat mich etwas wütend gemacht und ich bin ernsthaft am überlegen, ob ich heute noch zur im ICC stattfindenden Mitgliederversammlung fahre. Update: Ich fahre nicht! Da das Spiel recht schnell entschieden war, feierten die Fans sich gegen Ende des Spiels gegenseitig im Rahmen der Fanfreundschaft. Das Geschehen auf dem Rasen interessierte dabei nicht mehr wirklich. Schade, dass es trotz des Sieges für den KSC dennoch nicht für den Klassenerhalt gereicht hat, da Cottbus gewonnen hat. Nun steigt ein sehr sympathisches Team in die 2. Liga ab und ein für mich unsympathischer Verein wie Cottbus bleibt drinn. Ich hoffe jedoch, dass der KSC bald wieder aufsteigt und zusammen mit Hertha in der 1. Liga spielt. Zur Rückfahrt gibt es nicht mehr viel zu sagen außer, dass es auf Grund eines Vorkommnisses mit zugestiegenen HSV-Fans am Bahnhof Frankfurt am Main, auf dem Heimweg von deren Spiel in Frankfurt, einen verlängerten Zwangsstop gab. Um 3 Uhr war ich dann wieder zu Hause. 22 Stunden unterwegs, davon 14 Stunden im Zug ist schon ganz schön anstrengend aber was tut man nicht alles.
Nach dieser Niederlage von Hertha in einem so wichtigen Spiel werden sie wieder da sein die Spötter unter Freunden, Kollegen und Verwandten, die nicht verstehen können, wie man Fan eines Vereins sein kann der noch nie etwas erreicht hat und wenn es darauf ankommt regelmäßig kläglich scheitert. Kurzzeitig waren sie ja in dieser Saison verstummt. Aber dazu kann ich nur sagen, dass man es einfach fühlen muss. Als Außenstehender kann man sich sicher nicht leicht in die Lage versetzen, um zu verstehen warum man z.B. am Wochenende so weit fährt und was es ausmacht Faußballfan zu sein. Getreu dem Ostkurvendauerbrenner "Hertha BSC heißt unser Verein - Hertha BSC wird es immer sein". Gerade in Zeiten die nicht so erfolgreich sind, ist es um so wichtiger zu seinem Verein zu stehen. Und die nächste Saison wird auf Grund der fehlenden Championsleague-Millionen und der zu erwartenden Abgänge wichtiger Spieler verdammt schwer und sicherlich alles andere als so euphorisch wie die Diesjährige. Dennoch, ich werde wieder dabei sein. Die neue Dauerkarte liegt schon bereit.
Hier ein paar Bilder von gestern (für eine Ansicht im Großformat -> Klick aufs Bild):

1 Kommentare:
Spötter wirds aber nicht geben Marc, warum auch? Alles in allem ist doch Platz 4 ein super Ergebnis für Hertha, natürlich war die Erwartungshaltung in Berlin nach dem Zwischenhoch mit 4 Punkten Vorsprung enorm gewachsen, aber realistisch betrachtet haben sie mit Platz 4 das Optimum rausgeholt. Man muss bedenken, dass Werder, Schalke und der HSV eigentlich bessere Mannschaften besitzen nur haben sie das Potenzial nicht ausgeschöpft in dieser Saison. Auf das sie im nächsten Jahr wieder gut spielen und vielleicht noch etwas attraktiver neben der Effektivität.Ich werde nächstes Jahr auch wieder ein paar mal mehr ins Stadion kommen!
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